Aufruf zur Desinvestition – Kampagne gegen Investitionen in fossile Energieträger

Der Britische „Guardian“ fordert einen sofortigen Abzug von Geldern aus Kohle, Öl und Gas

Mit einer außergewöhnlichen Aktion macht der „Guardian“ von seiner Stimme Gebrauch. Die Redaktion der renommierten britischen Tageszeitung fordert öffentlich zur Desinvestition (engl. Divestment) auf. Um endlich die weiterhin zahlreichen Investitionen in fossile Energieträger zu stoppen, rufen die Redakteure zu einer weltweiten Kampagne für den Abzug von Geldern aus fossilen Rohstoffen auf, der sogenannten Desinvestition. Es ist kein Geheimnis, dass fossile Energieträger nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und der Abbau bzw. die Förderung den Klimawandel beträchtlich vorantreibt. Die Mitarbeiter von „The Guardian“ nutzen ihre Stellung in einem der einflussreichsten Online-Medien um ihre Stimme deutlich hörbar zu erheben, um sich für die Desinvestitions-Kampagne, international unter dem Namen „Divestment“ bekannt, stark zu machen.

Die Desinvestitions-Bewegung und der „Guardian“ warnen vor den Folgen des Klimawandels

Desinvestition aus fossilen EnergieträgernVorrangige Forderung der um sich greifenden Desinvestitions-Bewegung und des britischen „Guardian“ ist in erster Linie der Abzug von Geldern aus Geldanlagen in fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Dabei geht es nicht nur um direkte Investitionen von privaten Anlegern. Besonders im Fokus stehen die Gelder von Städten, Institutionen und Regierungen, deren Geld bei Banken und Fonds angelegt sind, die ihrerseits wieder in fossile Energieträger investieren. Ziel der Desinvestition, dem Gegenteil von Investieren, ist es, durch großflächige Abzüge von Geldern ein Zeichen zu setzen. Das wieder verfügbare Geld soll anderweitig investiert werden, bevorzugt in Projekte die dem Klimawandel entgegenwirken. So wird gleichzeitig der Markt für fossile Rohstoffe geschwächt während unbedenkliche Investitionen und erneuerbare Energien gestärkt werden können. Der direkte Zusammenhang von Investitionen in fossile Energieträger und den Folgen des Klimawandels sind ein zentraler Punkt in den Forderungen der Desinvestitions-Bewegung. Schon die Förderung von fossilen Rohstoffen wie Kohle, Öl und Gas setzt klimaschädliches CO2 frei und stellt damit einen weiteren Faktor der Klimawandel-Ursachen dar. Doch wie der „Guardian“ mehrfach betont, spricht nicht nur ein moralisches Argument für das Desinvestieren, auch finanziell stellen fossile Energieträger ein immer größeres Risiko dar. Physikalisch sind über kurz oder lang die Grenzen der vertretbaren Fördermenge erreicht. Eine gesetzliche Regulierung ist keine allzu ferne Zukunftsmusik mehr. Schon heute gelten Investitionen in Erneuerbare Energien, die sog. Saubere Alternative, als deutlich risikoärmer und rentabler. Eine Entwicklung, die in den kommenden Jahren noch stark wachsen wird, um dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken.

Guardian und Desinvestitions-Bewegung verstärken öffentlichen Druck zum Thema Klimawandel

In Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation „350.org“ widmet sich der „Guardian“ inzwischen intensiv den Themen fossile Energien und Desinvestition. Bis zur UN-Klimakonferenz 2015, die Ende November in Paris stattfindet, wird regelmäßig über diese Themen berichtet, um so genügend öffentlichen Druck aufbauen zu können. Auslöser des öffentlichen Engagements war eine interne Diskussion über die Problematik, in der Öffentlichkeit genügend Bürger mobilisieren zu können um wirksam Druck auf die Regierung aufbauen zu können. Da eine ausreichende Motivation von Seiten einer Zeitung erfahrungsgemäß nur einen zweifelhaften Erfolg verspricht, bietet sich alternativ die Unterstützung einer aufstrebenden Bewegung gegen fossile Energieträger an. Im Rahmen dieser Kampagne kann der einzelne Bürger selbst vor Ort aktiv werden. Durch Protest vor Rathäusern oder Universitäten wird so kontinuierlich öffentlich Druck erzeugt, der durchaus schon Auswirkungen zeigt. Durch diesen Protest im Kleinen lässt sich im Idealfall direkt vor Ort die Unterstützung für fossile Energieträger minimieren. Dabei soll nicht auf moralische Begründungen gesetzt werden, gemäß dem Standard des „Guardian“ wird mit Fakten argumentiert. Und die sprechen, laut Chefredakteur Alan Rusbridger, eindeutig für sich. Neben der moralischen Komponente sind es besonders die finanziellen Argumente, die auch Pragmatiker am Finanzmarkt von der Dringlichkeit und Sinnhaftigkeit der Desinvestitionen überzeugen sollen. Physik schlägt Finanzen, diese Entwicklung lässt sich nicht leugnen und legt den Finanzmogulen der Welt ein frühzeitiges Umdenken nahe. Wenn schon nicht aus moralischer Einsicht, dann um rechtzeitig ihr Geld aus risikoreichen Anlagen abzuziehen und so absehbare Verluste in beachtlicher Höhe zu vermeiden.

Erste Erfolge der Desinvestitions-Kampagne und des „Guardian“

Desinvestitions-Bewegung gegen fossile RohstoffeUnermüdlich wiederholt der „Guardian“ seinen Aufruf zur Desinvestition und erregt damit weltweit Aufsehen. Diese Art der öffentlichen Meinungsäußerung von Journalisten und Zeitungen ist im angelsächsischen Raum nicht ungewöhnlich. Während in Deutschland Journalisten meist nur vereinzelt ihre Meinung in Form von Kommentaren äußern, beziehen die Medien beispielsweise in den USA oder dem Vereinigten Königreich sehr viel eindeutiger Stellung. In deutschen Medien wäre im Zuge der Wahrung von Neutralität ein solches Verhalten bisher noch eine Ausnahmeerscheinung. Neutrale Berichterstattung kommt weiterhin vor ausdrücklicher Meinungsäußerung von einzelnen Journalisten oder Redaktionen. Der Chefredakteur des „Guardian“ Alan Rusbridger steht jedoch mit deutlichen Worten hinter der Desinvestitions-Bewegung und der klaren Positionierung seiner Redaktion. Seiner Ansicht nach steht es einem gut informierten Journalisten, der die Fakten sorgfältig recherchiert hat, durchaus zu, seine dadurch gebildete Meinung auch öffentlich kundzutun. Dass der „Guardian“ mit dieser Einstellung auf öffentliche Unterstützung trifft, ist deutlich zu sehen. Die ersten Erfolge der Kampagne „Desinvestition“ zeigen sich bereits. An der Universität Edinburgh trägt der Kampf von Akademikern und Studenten für ein Desinvestieren langsam Früchte, die Universität Glasgow hat als erste akademische Institution in Europa schon im Oktober 2014 begonnen, Anlagen in fossile Energieträger zu desinvestieren. Auch Pensionsfonds in Skandinavien sehen sich einem immer höheren öffentlichen Druck ausgesetzt, diese Gelder nicht länger in Klimawandel fördernde Anlagen zu investieren.

Quellen:

http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/16/argument-divesting-fossil-fuels-overwhelming-climate-change?CMP=share_btn_tw
http://www.theguardian.com/environment/keep-it-in-the-ground-blog/2015/may/08/crunch-time-for-university-of-edinburgh-on-fossil-fuel-divestment
http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/01/edinburgh-university-fossil-fuel-divestment
http://green.wiwo.de/britischer-guardian-fordert-investoren-sollen-raus-aus-kohle-oel-und-gas/